Yoga & Meditation zur Burnout-Prävention


Unser Geist vollbringt täglich Höchstleistungen. Das ist wundervoll. Gefährlich wird es allerdings, wenn der Geist zu stark erhitzt und der Körper vernachlässigt wird. Yoga hilft den Geist abzukühlen sowie Körper und Geist wieder in Balance zu bringen, um das Feuer langfristig am Lodern zu halten ohne dabei auszubrennen.


Der Körper – unser Fundament und Brennholz


Wir sind gewohnt Körper und Geist getrennt zu betrachten. Im Yoga wurde hingegen bereits vor Jahrtausenden verstanden, dass einseitiges Wachstum das System Mensch aus dem Gleichgewicht bringt. Das Training körperlicher Fähigkeiten ist ebenso wichtig wie die Konzentration auf mentale Leistungen. Ein gesunder Körper ist das Fundament für mentale Leistungsfähigkeit.

Gleichzeitig ist unser Körper sehr robust und erlaubt jahrelangen Raubbau. Solange sich Abholzung und Neubepflanzung die Waage halten, gelingt der Drahtseilakt auch meist. Doch der Grad ist ein schmaler und hat mit einem freiem Leben im Wissen um genügend Brennholz nicht viel gemein. Auf Dauer ist das System zum Scheitern verurteilt: ein mächtiger Baum ist schnell gefällt, ein neuer wächst viel langsamer. Ist das wacklige System gekippt, fehlt die Energie für das Lebens-Feuer. Dann kann auch der Geist nicht mehr brennen. Der Mensch ist ausgebrannt. Um wieder aufzublühen, müssen neuen Bäume gepflanzt und ein stabiles Fundament gelegt werden.


Den Körper stärken und geschmeidig halten

Ist die Stärkung des Körpers reine Fassadenarbeit oder ist es möglich, durch das Ansetzen an der Oberfläche eine Tiefenwirkung zu erzielen? Beim lebendigen Wunderwesen 'Mensch' lautet die Antwort tatsächlich: ja, es ist möglich! Wir Menschen haben als nicht-lineare, hochkomplexe Wesen den Vorteil, dass unser 'Inneres' mit dem 'Äußeren' verwoben ist (manche Philosophen bestreiten gar, dass es diese Trennung überhaupt gibt): somit kann nicht nur das 'Innere' ins 'Äußeren' durchscheinen, sondern sich auch das 'Äußere' auf das 'Innere' auswirken. 'Mens sana in corpore sano' (ein starker Geist in einem starken Körper) ist das Motto der Körperkulturbewegung, die also am Körper ansetzt, um den Geist zu formen. Im modernen Yoga finden sich ähnliche Gedanken. Die moderne Variante der Körperkulturbewegung ('Fitness') hat hingegen den letzten Halbsatz ("um den Geist zu formen") weggekürzt und dreht sich nun ausschließlich um sich selbst. Pirouetten sind schön anzusehen, bewegen uns jedoch nicht vom Fleck. Daher werden wir Entwicklungsinteressierten uns nicht weiter damit auf-, sondern am Nachsatz fest-halten. Den Körper zu formen kann wenn aus einer gesunden Intension heraus betrieben etwas Wundervolles sein. Oft ist hierzu mehr als ein bisschen Yoga bzw. das, was man im herkömmlichen Sinn unter Yoga versteht, nötig. Ein bisschen Dehnen wird nicht reichen, um jahrelange Fehlhaltungen zu verlernen oder muskuläre Dysbalancen zu korrigieren.


Im Reich der Materie gilt es die Schwerkraft zu überwinden und hierzu ist wiederum ein starker Geist hilfreich, der praktischerweise beim modernen Yoga oder Krafttraining gleich mit trainiert werden kann. Leider verpassen viele Trainierende und Yogierende diese Chance und ziehen ihre Energie zur Überwindung der Gravitation allein aus der Aggression. Wie soll jedoch je etwas Schönes, Freies und Wundervolles, aus (Selbst-)Hass, Kampf und Krampf entstehen? Die Intension, mit welcher die Körperpraxis ausgeübt wird, ist daher mindestens so entscheidend, wie die Ausführung selbst. Zur Prüfung des Willens, also der eigentlichen Antriebskraft, ist es sinnvoll, sich ehrlich zu beantworten, ob man (getrieben von Angst und Aggression) den Körper kontrollieren und einen (Charakter-)Panzer zementieren oder sich langfristig an einem wundervollen, gesunden, leistungsfähigen und stabilen Körper, der sich geschmeidig in die Freiheit entfalten kann, erfreuen will.


Schöner Wohnen für den Geist


​Ein stabiles und das heißt auch immer: fluides, sich der wandelnden Wirklichkeit anpassungsfähiges Fundament ist nicht nur sui generis wertvoll, sondern bietet dem Geist auch den passenden Raum, sich in seiner ganzen Fülle entfalten zu können. Darüber hinaus erwächst aus einem dynamischen Gleichgewicht von Körper und Geist nicht nur physische und psychische Gesundheit und gesteigerte Leistungsfähigkeit, sondern auch eine natürliche Schönheit, die für das ästhetische Wesen Mensch ebenso wichtig ist wie Funktionalität und Effizienz. Der Sinn für das Schöne die Poesie, der Tanz, die Musik versüßt uns das Leben und lässt uns erst zum Menschen werden.


Der Geist – das Erhebende und unser Licht


Wer klar und fokussiert denken möchte und auch in stressvollen Situationen gute Entscheidungen treffen will, benötigt einen funktionsfähigen Geist, der weiß, dass er hilfreiches Werkzeug, aber nicht Chef im Oberstübchen ist. Wenn der Geist freidreht, entwickelt sich ein Hyperfokus, ein Tunnelblick entsteht, das 'big picture' kommt abhanden und allerlei chaotische Gedanken beginnen herumzuschwirren. Das Abschalten fällt schwer oder gelingt – auf natürlichem Weg überhaupt nicht mehr. Schlafstörungen, Alkoholmissbrauch, Essstörungen, Depression und Burnout sowie eine Fülle weiterer psychosomatischer Erkrankungen sind die Folge.


Wenn Denken das Problem ist, kann noch mehr Denken nicht die Lösung sein


Der Weg aus den Denk-Spiralen heraus, ist der Weg hinein: hinein in den Körper, zurück zu den Sinnen, zu dem, was nicht mit Sprache und Gedanken fassbar ist. Dem Sinnlichen und Sinn-vollen. Eine regelmäßige Yogapraxis ist ein wundervolles Ritual der Be-sinnung.

Schnelle Erleichterung von einem hyperaktiven Geist bieten außerdem Entspannungstechniken aus West und Ost, wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Yoga Nidra, aber auch jede Form von Sport, Bewegung, Naturerleben oder alles, was Sie wieder zurück be-sinnt. Viele flüchten auch zu passiven Formen der ‚Entspannung‘ wie dem übermäßigen Konsum von Alkohol, Zucker oder zu Orgien mit dem netten Flix. Diese Weltflucht-Methoden ent-spannen jedoch nicht, sondern betäuben allenfalls kurzfristig und führen schnell in Abhängigkeit. Solange solche Maßnahmen nicht Überhand nehmen, ist der Gebrauch dieser Techniken nicht verwerflich. Langfristig sollten Sie nur solche Techniken und Methoden anwenden, die Sie auch langfristig wachsen lassen und hinterfragen, warum Sie aus Ihrer Welt flüchten wollen.


Der Mut zur Meditation


Um dauerhaft von einem ruhigen und starken Geist zu profitieren, müssen Sie lernen, den Fokus, den Sie bisher nach außen eingesetzt haben, nach innen zu richten: nicht um zu Denken, sondern um festzustellen, dass sie denken um sich dann von den Gedanken zu lösen und befreien zu können. Das kann ungemein schwerfallen, da die ganze westliche Erziehung drauf ausgerichtet ist, uns beizubringen, dass die Gedanken das sind, was uns ausmachen. Für Gedanken wurden und werden belohnt – auch im Erwachsenenalter. Sich absichtlich dagegen zu entscheiden erfordert viel Mut – vor allem für Menschen, die sich stark über das Geistige definieren und auf diesem Gebiet ihre höchsten Erfolge feiern. Es geht auch nicht darum, dass Denken zu verteufeln oder dauerhaft abzuschalten, sondern darum, Kontrolle über den Geist zu gewinnen, um entschieden zu können, wann man ihn einsetzen möchte – und wann nicht.


Um Herr bzw. Frau im eigenen System zu werden, gilt es zu lernen, den Geist so zu steuern, dass er zu Ihrem Werkzeug wird, welches Sie so an- und abschalten können, wie Sie es möchten und der Situation angemessen ist. Freiheit von der Herrschaft des Geistes ist eines der höchsten Ziele des Yoga, weshalb zahlreiche Methoden entwickelt wurden, um dieses Ziel zu erreichen. Die Kunst besteht darin, die für sich passende Technik zu finden. Bei der Suche kann oft ein Lehrer von hohem Wert sein, der den Weg begleitet und ermuntert sich in die Gedanken-Leere zu trauen. In der Leere wartet bereits eine strahlende und kraftvolle Ruhe darauf, von Ihnen entdeckt und genossen zu werden.


Gedankensex (# mindf***) kann etwas wunderschönes sein (# philosophy)  der Orgasmus findet jedoch stets jenseits der Welt der Sprache und Gedanken statt


Ebenso wie das lebendige Leben stattfindet, wenn der Regen auf unsere Haut fällt, die Sonne uns in den Augen kitzelt oder das Lachen eines geliebten Menschen unser Ohr berührt. Zeit, sich heraus aus dem Kopf zu trauen und das Risiko 'Lebendigkeit' zu wagen. Wenn Körper und Geist vereint sind, werden Sie spielerisch und frei leben und tanzen, gute Kopf- und Bauch-Entscheidungen treffen, denken, nicht-denken…und kraftvoll anfangen zu brennen weil Sie die Quelle unbegrenzter Ressourcen gefunden haben: ihr eigenes Strahlen!

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