My Body, My Choice

‚My body, my choice‘ oder ‚Mein Bauch gehört mir’ sind bekannte feministische Leitsprüche, die vor allem im Kontext des Diskurs um Abtreibung hörbar wurden, aber auch in der Behandlung von Menschen mit Essstörungen (und ganz allg. in der psycholog./psychiatrischen Behandlung) eine Rolle spielen. In Grenzbereichen können wir besonders gut erkennen, wo wir als Gesellschaft grade stehen und vor welchen Fragen wir zurückschrecken. Dort, wo wir die Augen schließen, können sich dann Machtstrukturen etablieren, die nicht immer mit unseren Werten übereinstimmen. In einer (neo)liberalen Gesellschaft gilt gemeinhin, dass die Körperinhaberin natürlich bestimmen darf, was mit ihrem Körper passiert. Doch stimmt das wirklich? Gibt es z.B. ein Recht auf Selbst- bzw. Eigenkörperverletzung? Das ‚Dispositiv‘ der Selbstverletzung setzt zunächst einen verletzungsfreien, heilig-gesunden Körper voraus. Was jeweils als Selbstverletzung betrachtet wird, ist ebenfalls in hohem Ausmaß variabel: tätowieren nicht, sich schneiden schon. Rauchen (noch) nicht. Alkohol und Sport nur bei Überschreiten einer gewissen Schwelle. Haare ausreißen ist nur dann erlaubt, wenn es der Erfüllung einer Schönheitsnorm dient. Auch hungern nur, wenn damit Schönheit erreicht werden soll. Selbstverletzung um Normen besser zu erfüllen, wird gemeinhin akzeptiert. Selbstverletzung um Schmerz auszudrücken, sichtbar zu machen, als Coping-Strategie oder Kommunikationsform, nicht. Die Assoziation von Verletzung – >Schmerz – > Schaden ist ebenfalls nicht für alle und immer gültig: man denke an Marquise de Sade oder an die großartigen Inszenierungen der Performanzkünstlerin Marina Abramovic. Wann wollen wir uns eher selbst vor dem Anblick einer sich selbst verletzenden Person bewahren und wann geht es tatsächlich um das Wohl der sich selbst verletzenden Person? Ab wann und mit welchem Recht darf sich wer erlauben, es besser zu wissen als die jeweilige Person selbst? Wer darf heute über Leben und Körper entscheiden? Auf welcher Grundlage und Menschenbilder werden diese Entscheidungen getroffen? Wo liegen die Grenzen von 'my body, my choice' und ab wann verliert frau das Recht auf den eigenen Körper? Fragt sich: Senta Brandt

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