Ich suche nicht - Ich finde

Ich suche nicht – ich finde. Suchen – das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuem. Finden – das ist das völlig Neue! Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer! Die Ungewißheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewißheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht – menschlich beschränkt und eingeengt – das Ziel bestimmen. Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen: Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

Pablo Picasso


🐣 Zwei Orientierungsweisen fürs Ostereier-Suchen & Finden 🐣


‚Ich suche‘: das sagt das starke Subjekt. Es legt den Gewehrlauf an, setzt sich Ziele, ist dabei maßlos überfordert (was in der Natur der Sache liegt, da es eben ‚menschlich beschränkt und eingeengt‘ ist) und schreibt sich dann das Versagen beim Scheitern selbst zu.


‚Ich finde‘ impliziert hier ein sich offenhalten, einen klaren Blick, damit das, was einen (von) dort anruft und finden will, auch erkannt wird. So orientiert sich ein schwaches Subjekt (schwach hier nicht moralisch verstanden, sondern iSv geschwächtem, dezentralisierten Autonomiekonzept, das zwischen den Polen starker Autonomie und völliger Heteronomie liegt). Dieses Ich geht ohne Konzept, ohne konkrete Zielsuche auf die Welt zu, es ist nicht mit dem Gewehr auf der Jagd - versinkt aber auch nicht in völliger Passivität eines ‚dann tue ich eben gar nichts mehr‘ und verschließe die Augen.


Das Finden und sich-Offenhalten erfordert einen offen, wachen Blick, ein Tun, das seinerseits nur durch Nicht-Tun gelingt. Tuendes Nicht-Tun und nicht-tuendes Tun.


Nicht-Tun und Verweilen im Nicht, wird durch Vertrauen, ein ‚sich im Ungeborgenen (Ungeborenen) geborgen wissen‘, ein ‚Zulassen gefunden zu werden‘, möglich. Und Mut sich ins Ungeborgene zu wagen, sich ins Hier-Jetzt zu stürzen, es radikal anzunehmen. Nur dort, also hier, ist die Erfahrung des sich-Geborgen-Wissens konkret erfahrbar, spürbar.


Ob diese Grundhaltung vom modernen Menschen, wie Picasso dies optimistisch meint, bereits verkörpert wird, bleibt fraglich. Allemal ist es eine Haltung, die das Leben vielleicht ein bisschen leichter und spielerischer werden lässt und sich daher auszuprobieren lohnt.


Gutes ‚sich vom Osterhasen finden lassen‘ 🌸🐰💕


Senta

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