DON'T JUST DO IT




Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.


Aschenputtel bekommt von ihren Stiefschwestern die Aufgabe, Linsen auszulesen. Zwei nette Tauben helfen ihr bei dieser Aufgabe, sodass Aschenputtel den Prinzen beobachten und ihre Ballvorbereitungen treffen kann. Long story short: der Prinz verliebt sich in Aschenputtel, findet ihren Schuh, findet sie und wenn sie nicht gestorben sind… sitzt Aschenputtel vermutlich nun in ihrer eigenen Küche und liest dort die Linsen aus.


Ein paar hundert Kilometer entfernt sitzt eine Zen-Nonne bei einer ähnlichen Tätigkeit: damit alle im Zen-Kloster einen nahrhaften Getreidebrei bekommen, muss zuvor das Reiskorn von seiner Hülle getrennt werden. Welch monotone Tätigkeit! Aber die Nonne ist schlau und versucht sich die Zeit mit einem Zen-Koan (einer Art Gedankenrätsel) zu vertreiben. Die Männer im Kloster machen das ständig, um erleuchtet zu werden.


„Wird das Korn von der Schale oder die Schale vom Korn getrennt? Wie ist das Verhältnis vom Einzelnen zum Ganzen, vom Singulärem zum Unendlichen? Was ist Reis, was Nahrung, was symbolisiert das Samenkorn?“


Höchste philosophische Gedanken, die auch in unseren Breitengraden ganze Bücherregale füllen. Doch während die zarte Nonne in geistigen Sphären schwelgt, wird sie unachtsam – und der Brei ungenießbar. Die ganze Charge muss nochmals verlesen werden!


Aschenputtels Awakening


Am nächsten Tag konzentriert sich die kleine Nonne ganz auf ihre Tätigkeit. Die Gedanken wollen auch dann abschweifen - vielleicht träumt auch sie manchmal von einem Prinzen - , aber die Nonne holt sie immer wieder zurück zu dem, was sie jetzt, in diesem Moment, tut.


So wird sie eins mit der Handlung, mit der Umgebung und dem Fluss der Zeit – und ehe sie sich versieht, ist der Reis geschält und auch sie selbst hat sich gehäutet, wird zu purem Licht und geht ein in eine lange Reihe von weiblichen Erleuchteten... während die, die nur über Erleuchtung philosophiert haben, längst verhungert sind.


Was ist schon Erleuchtung?


Unumwunden muss ich in dieser Stelle gestehen, dass zumindest das Ende der kleinen Geschichte frei von mir ersonnen ist. Jedoch wird die Nonne – selbst wenn sie nicht instant erleuchtet wird – die Zeit des Sortierens auf jeden Fall angenehmer erleben, ihr Geist wird danach geordneter sein und statt erschöpft nach einer ermüdenden Tätigkeit einen Netflix-Marathon zu starten, wird sie erfrischt von ihrem kleinen Holzschemel aufstehen, sich alle Glieder strecken und sich wundern, dass die Zeit so schnell verfolgen ist – bereit für ein neues Projekt, dass sie sich diesmal selbst aussuchen will.


Ihr Lächeln strahlt jedenfalls heller als sonst – Schuhanproben sind überflüssig, um zu erkennen, dass sie etwas ganz Besonderes ist. Erleuchtung kann auch ganz simpel als Metapher für mehr Energie und Lebenskraft gedeutet werden. Wer wünscht sich das nicht?!

Daher lohnt es sich, die Geschichten genauer zu untersuchen:


Die Moral von der Geschicht‘: Werd‘ zu deinem eignen Licht.


1. There is some work to do! Selbst wenn sich Aschenputtel und Prinz die Linsen-Lese-Arbeit genderfair aufteilen sollten, muss dennoch jeder etwas dazu beitragen, damit schlussendlich ein dampfender Topf auf dem Tisch steht. Auch philosophische Höhenflüge füllen den Magen nur bedingt. Und Tauben als Sortierhilfen machen sich ebenfalls nur im Märchen gut. Die Realität sieht anders aus.


2. Und das ist gut so! Erleuchtet wird frau bzw. man nur durch Praxis und eigene Erfahrung. Kein Prinz, keine Tauben, keine Metaphysik wird dir hier auf Erden dauerhaft helfen. Also do it! Nimm dein Leben in die Hand und werde aktiv. In Märchen werden Frauen von Männern erleuchtet - in der Realität setzen sie sich selbst die Krone auf.


3. Aber lerne dabei von der kleinen Nonne: Don’t just do it – do it with awareness: put your mind into the action! Machst du es nebenbei, wirst du doppelt bestraft: im schlimmsten Fall musst du alles noch einmal machen und du verpasst ‚so ganz nebenbei‘ auch noch dein Leben, das nichts weiter ist als der Strom von Momenten, von denen allein du entscheidest, wie hell oder dunkel du sie ausleuchtest. Ob du die Momente an dir vorbeiziehen lässt – und noch nicht einmal hinsiehst und dieses Wahnsinnsschauspiel genießt! – oder ob du reinspringst in den Fluss, all in gehst, mitschwimmst, abtauchst, und deine Lebendigkeit im Spiel der Wellen genießt …


Don’t just do it – do it with awareness, with some vibe, with some grace, with some Love & life in it!

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