Betreff: Repräsentation von Essstörungen auf Ihrer Homepage "www. ... "/im Medienbeitrag xy


Bezugnehmend zum Artikel Nicht alle Frauen mit Essstörung tragen weisse Tshirts (sentabrandt.com) und den zahlreichen Zuschriften, stelle ich folgend eine Mail-Vorlage zur Verfügung, die gerne genutzt werden kann, um Einrichtungen, RedakteurInnen und Homepage-InhaberInnen auf den problematischen Gebrauch derartiger Bilder hinzuweisen.


Sehr geehrte Damen und Herren,


die Welt wird bunter, diverser und zunehmend sind auch psychische Störungen kein Tabuthema mehr. Dazu tragen auch Informationsseiten wie die Ihre bei.


Leider unterliegen Essstörungen immer noch einem gesellschaftlichen Stigma, insofern die weit verbreitete Auffassung herrscht, dass Essstörungen als eine Art Luxusproblem nur junge, schlanke (‚hysterische‘) Frauen aus den höheren Einkommensschichten betreffen würden und also nicht wirklich eine ernstzunehmende und komplexe psychische Erkrankung darstellen.


Den von ihnen, in Textform, dargestellten Informationen entnehme ich, dass Sie diese Ansicht nicht teilen und über die Komplexität dieser Erkrankung gut informiert sind. Oft sagen Bilder jedoch mehr als Worte.


Werden auf Informationsseiten, die über Essstörungen aufklären wollen, fast ausschließlich Bilder von weißen, jungen Frauen verwendet, wird das Stereotyp von Essstörungen vermutlich unbeabsichtigt, aber zum Leid der Betroffenen eben doch, eher weiter verstärkt denn vermindert.


Beispielsweise werden alle nicht-weißen, älteren, anders-gewichtigen, anders-geschlechtlichen, etc. Menschen nicht repräsentiert und damit vom Diskurs ausgeschlossen.


Ferner werden die Bilder – und dies wird am Beispiel ihres für ‚Bulimie‘ verwendeten Bildes (hier ggf. einen Link einfügen, damit die Bezugnahme deutlich wird) – besonders deutlich, noch nicht einmal jenen Frauen gerecht, die das Stereotyp erfüllen. Zur vertieften Auseinandersetzung mit der Problematik vgl. z.B. hier: https://www.sentabrandt.com/post/nicht-alle-frauen-mit-essst%C3%B6rung-tragen-weisse-tshirts


[Im Original schrieb ich: "Ausdruckstark habe ich die ganze Argumentation hier formuliert: https://www.sentabrandt.com/post/nicht-alle-frauen-mit-essst%C3%B6rung-tragen-weisse-tshirts und zahlreiche Zuschriften von Betroffenen, ehemaligen Betroffenen und KollegInnen erhalten, die eine andere Art der Repräsentation von Essstörungen (bis hin zum vollständigen Verzicht auf Bilder, so wie ich das - aus kulturpsychologisch informierter Sicht - vorschlage) ebenfalls sehr begrüßen würden." =>> ggf. lassen sich ähnliche Sätze finden, das ist aber mMn nicht unbedingt notwendig.]


Um zu einer wirksamen, und für die Betroffenen hilfreichen Form der Entstigmatisierung beizutragen, bitte ich Sie daher, die Bildauswahl zu überdenken.


Für Rückfragen und weiteren Diskurs stehe ich gerne zur Verfügung [bei Bedarf kann hier gerne auch auf mich verwiesen werden].


Mit freundlichen Grüßen


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